Unterschiede zwischen Bootfitting und Skischuh-Maßanfertigung

Oft erzählen Kunden, dass sie sich ihren früheren Skistiefel von einem Bootfitter haben machen lassen, der Skischuh aber trotzdem nicht passt oder sogar schmerzt. Viele Hersteller und Fachhändler werben mittlerweile damit, dass sie Bootfitting anbieten und ihren Kunden so einen Skischuh nach Maß anfertigen können. Das stimmt aber nicht. Unter Bootfitting versteht man lediglich das „Optimieren“ einer bestehenden, standardisierten „Grundform“ eines Skischuhes.

„Ein sogenannter Bootfitter macht keine Skischuh-Maßanfertigung, sondern er verbessert lediglich einen schon existierenden Skischuh für den Kunden.“ Albrecht Zeisler

Das machen Bootfitter mit Ihrem Skischuh

Es gibt vier gängige Methoden. Zum einen haben viele Skischuhhersteller Bootfitting in ihren Skischuhen bereits integriert, z.B. einen thermisch verformbaren Innenschuh oder eine thermisch verformbare Skischuhschale. Außerdem gibt es nach wie vor die klassische Vor- und Nachbearbeitung der Skischuhe mit Werkzeugen. Auch nur der Verkauf einer vorgeformten Einlegesohle wird teilweise schon als Bootfitting verstanden!

Was Bootfitting beinhaltet, lässt sich nicht klar sagen. Das ist so, als wollte man einen Pudding an die Wand nageln.

Das macht einen Skischuh nach Maß aus

Was man auf jeden Fall 100-prozentig festhalten kann, Bootfitting hat nichts mit einem maßangefertigten Skischuh zu tun. Nur ein Skischuh, der aus diesen vier Komponenten besteht verdient die Bezeichnung Maßskischuh:

  • Skischuhschale (ohne Innenschuh darin!)
  • Doppelwandiger Innenschuh mit Schläuchen am Schaft
  • Zwei Flaschen, in denen der Schaum zum Ausschäumen der Innenschuhen enthalten ist
  • Eine Einlegesohle (nicht vorgeformt, sondern ein flacher Rohling), um ein individuelles Fußbett anzufertigen

Wenn diese Komponenten vor Ihnen stehen, wird Ihnen de facto ein Skischuh nach Maß angefertigt, und es handelt sich nicht um Bootfitting.

 

Mehr Infos zu unserem Maßskischuh

Pro und Contra Bootfitting

Wir sind Hersteller eines geschäumten Maßskischuhes, unseres AquaNovoBoots. Wir sehen aber auch die Berechtigung des Bootfittings. Es gibt viele Kollegen, die einen sehr guten Job machen und natürlich auch Kunden, die mit einem Skischuh vom Bootfitter zufrieden sind.

Pro

  • Es gibt selbstverständlich Skifahrer und Skifahrerinnen, die keine oder nur geringfügige Probleme mit ihren Skischuhen haben.
  • Für diese Zielgruppe ist ein Skischuh, der ev. mit einer Einlegesohle vom Bootfitter verbessert wird, eine gute Sache.
  • Den Fahrer drückt lediglich ein bisschen der Knöchel, dann kann mit einem Weitungswerkzeug ausgebeult und mehr Platz geschaffen werden.

Contra

  • Die Grenzen des Bootfittings sind eng gezogen. Grundsätzlich muss klar sein: Mit Bootfitting kann ein Skischuh punktuell weiter gemacht werden – nur bis zu fünf Millimetern.
  • Unmöglich ist es, den Skischuh schmäler zu machen, um mehr Halt oder einen flächigeren Kontakt zu bekommen. Mit Bootfitting können nie Räume gefüllt oder lockere Stellen behoben werden.
  • Deshalb kann an der Grundpassform des Skischuhes nur partiell (nicht flächig) nachgebessert werden, weil sonst wieder neue Probleme entstehen. Dazu einige Beispiele zum besseren Verständnis:
  • Beispiel 1: Bei einem Senkfuß (Volksmund: Plattfuß) schmerzt wegen der Fehlstellung meist der Innenknöchel. Durch das Weiten innen wird der Skischuh an der Außenseite zu weit. Der Kunde rutscht und hat keinen Halt mehr.
  • Beispiel 2: Häufig weiten Bootfitter den Vorfußbereich, weil dieser dem Kunden zu eng ist. Die Folge: Durch das Auseinanderziehen senkt sich die Höhe der Skischuhschale ab und drückt schmerzhaft auf den Rist. Hier verursacht das Bootfitting selber ein neues Problem.
  • Beispiel 3: Fünf Millimeter reichen oft nicht aus, um für Problemstellen wie Hallux Valgus, Überbeine und sehr große Knöchel genügend Raum zu schaffen.

 

Der Skischuh ist hier zu eng und da zu weit: Da hilft kein Bootfitting!

  • Bei dem häufigsten Passformproblem gibt es beim Bootfitting gar keine Lösung: Wenn der Skischuh an einer Stelle zu weit und an der anderen Stelle zu eng ist (Füße/Waden oder Vorfuß/Knöchel).
  • Beispiel 4: Bei Kunden mit schmalen, kleinen Füßen, aber kräftigen Waden ist das Scheitern beim Bootfitting vorprogrammiert. Dieses Problem betrifft viele Frauen.
  • Beispiel 5: Dasselbe gilt für Männer mit schmalen Unterschenkeln und kräftigen Füßen, diese Konstellation ist mit Bootfitting unlösbar!